Mäxchens Reise über den Regenbogen


Der Abend dämmerte schon, als der kleine Max sich in sein Bett legte und über dieses und jenes so nachdachte. Ja, er und seine Familie hatten es nicht leicht. Der Vater war verstorben und seine liebe Mutter plagte sich den ganzen Tag mit harter Arbeit, um ihn und seine 8 Geschwister zu ernähren.Wie oft hatten sie Hunger und nichts zu Essen. Er schaute zum Fenster und sah oben am Himmel einen langen Silberschweif zur Erde fallen. Er schloss die Augen und wünschte sich, dass es ihm und seinen Lieben doch etwas besser ginge.
Er war schon fast eingeschlafen, als er draußen, nicht weit von dem Häuschen, das sie bewohnten, ein helles, klägliches Wimmern hörte. Er stand auf, lief zum Fenster und schaute nach, was das sein könnte. Er konnte nichts sehen, hörte aber weiterhin das leise Weinen. Doch da, in der Nähe des Waldes, sah er ein kleines Licht. Nicht heller als eine Kerze. Er zog sich seine Kleidung über und rannte so schnell ihn seine Beine tragen konnten in Richtung Wald. Dort angekommen blieb, er wie versteinert stehen, denn er traute seinen Augen nicht, was er da sah. Vor ihm im Gras lag ein kleiner Stern, der so herzzerreißend weinte, dass es dem kleinen Max fast das Herz zerbrach.

Mäxchen setzte sich zu ihm ins Gras und fragte: „ Was ist los, warum weinst du so und was machst du hier?“ Der kleine Stern antwortete schluchzend: „Ich habe mit meinen Geschwistern gespielt und bin dabei so unvorsichtig gewesen, dass ich vom Himmel gefallen bin. Nun kann ich nicht mehr zurück und muss hier auf der Erde bleiben. Ich kann nie mehr meine Familie sehen.“
Mäxchen sagte zu dem Sternchen: „Komm erst einmal mit zu mir nach hause, dort bekommst du ein Nachtlager und morgen werden wir sehen, wie ich Dir helfen kann.“
Der kleine Stern fasste Mäxchen an der Hand und sie gingen beide zum Haus.
Dort angekommen zog der kleine Max eine Schublade aus seiner Kommode heraus, verteilte seine Kleidung so, dass es sich Sternchen gemütlich machen konnte. Die beiden unterhielten sich noch und überlegten gemeinsam, wie der kleine Stern wieder zu seine Familie am Himmel kommen konnte.
Sternchen weinte sich in den Schlaf und der kleine Max überlegte, bis er kurz vor Morgengrauen auch einschlief. Als Mäxchen aufwachte, rieb es sich seinen Schlaf aus den Augen und schaute zu seiner Kommode. Nein, er hatte nicht geträumt. Sternchen lag friedlich schlafend in seiner Wäsche und träumte vom Himmelszelt, seinen Geschwistern und seinen Eltern, den Sternenvater und seiner Sternenmutter.
Mäxchen schaute aus dem Fenster und holte einen tiefen Atem voll mit frischer Morgenluft, als er einen wunderschönen Regenbogen sah. Er fing am Waldesboden an, ragte bis zu dem Himmel hinauf und in weiter Ferne kam er wieder zur Erde zurück.
Ja, das war es, das war die Lösung. Er eilte zu Sternchen und rief ganz aufgeregt: „Steh auf du kleine Schlafmütze, ich habe einen Weg gefunden, um dich wieder nach hause zu bringen. Über den Regenbogen.“ Schnell sprang Sternchen aus seinem Bettchen und rief vor lauter Freude: „Prima, lass uns schnell losgehen.“ Max packte sich Proviant ein, schrieb seiner Mutter einen Brief, dass er seinen kleinen Freund, den Stern, über den Regenbogen zum Himmel begleite und dann wieder heimkehren würde.

Beide fassten sich an der Hand und machten sich auf den Weg zum Regenbogen.
Dort angekommen stiegen sie immer höher, höher und höher. Sie waren schon viele Stunden unterwegs, als eine große, dicke Wolke auf die beiden zukam. Sie rief: „Was ist denn hier los, du bist doch ein Menschenkind und du ein Sternchen.
Was macht ihr hier oben und steht mir im Weg?“ Sternchen erzählte der Wolke von seinem Schicksal und dass Mäxchen ihm helfen wolle, zum Sternenhimmel zurück zu kehren. Da freute sich die Wolke und sagte: „ Das find ich von euch sehr tapfer. Setzt euch auf mich, ich werde euch ein Stück höher tragen,“ Beide setzten sich auf sie und es ging flink ein Stückchen weiter nach oben in Richtung Himmel. Nun sagte die Wolke:“ Ihr müsst hier absteigen, denn weiter darf ich nicht, hier ist mein Weg zu Ende.“ Sie stiegen wieder beide auf den Regenbogen und bedankten sich. Dann ging die Reise zu Fuß weiter. Wieder waren sie eine lange Zeit unterwegs, als plötzlich ein starker Wind aufkam. Die beiden Freunde legte sich hin und hielte sich am Regenbogen fest, damit sie nicht runterfallen können.
Als der Wind die beiden erblickte, rief er: „Ho,ho, was sehe ich da? Ein kleiner Junge und ein kleiner Stern? Was macht ihr hier? Und lügt mich nicht an, sonst puste ich euch auf die Erde zurück.“
Beide hatten mächtige Angst vor dem Wind und sie erzählten, was passiert war. Dass Sternchen vom Himmel gefallen sei, dass sie zum Sternenhimmel wollten und dass Frau Wolke ihnen geholfen hatte.
Da hatte selbst der Wind Mitleid mit den beiden und sagte: „Setzt euch hin, ich werde euch einen Rückenwind schicken, der euch schnell und sicher etwas höher hinauf trägt.“
Gesagt, getan, beide setzten sich auf den Regenbogen und sausten auf dem Hosenboden immer höher und höher. Anschließend bedankten sich die beiden beim Wind und setzten ihre Reise zu Fuß fort.
Zwei lange Tage und zwei lange Nächte waren die beiden Freunde nun unterwegs, als sie endlich ganz oben auf dem Regenbogen standen. Die Sonne schien heiß und sie stöhnte dabei: „Puh, ist mir warm, kein Lüftchen, das mich kühlen kann. Mäxchen, gut dass du hier bist, kannst du mir ein kleines Lüftchen zupusten?“ „Gerne,“ antwortete der kleine Max und machte seine Backen ganz dick und pustete was seine Lunge hergab. Die Sonne stöhnte: „Ach, tut das gut, ach, ist das schön.“ Als Mäxchen die Kräfte verließen, bedankte sich die Sonne mit den Worten: „Ich danke dir und werde dich, wenn die Zeit reif ist, reich belohnen.“ Dann wurde sie feuerrot und verschwand langsam hinter dem Horizont.
Langsam brach die Nacht herein und Sternchen freute sich auf seine Familie, die es nun bald wiedersehen sollte.
Der Mond schien ganz blass, war gar nicht so hell leuchtend wie der kleine Max ihn von der Erde aus kannte, und von den Sternen war nichts zu sehen. Er fragte den Mond: „ Lieber Mond, warum scheinst du so trübe, dass man keine Sterne sehen kann?“ Er aber antwortete: „ Ach, Mäxchen, meine Brille ist ganz beschlagen. So kann ich nichts sehen und deshalb bin ich so trübe. Kannst Du meine Brille putzen?“ „Aber gerne tue ich das für dich, lieber Mond,“ sagte Max und putze seine Brille so blitzblank, dass die Gläser wie Sterne in der Nacht funkelten. Dann gab er sie dem Mond zurück. Kaum hatte dieser diese aufgesetzt, wurde der Mond ganz hell und ganz silbern und der Himmel war wie ein Teppich, mit vielen Tausenden von Sternen bedeckt.
„Danke,“ sagte dieser, :„ ich werde dich reich belohnen, wenn die Zeit reif ist.

Sternchen war ganz aufgeregt vor Freude und rief immer wieder: „Sieh nur Mäxchen, meine Familie, meine Familie!“ Mama und Papa Stern herzten ihr Sternchen und bedankten sich beim kleinen Max für seine Hilfe und seine Freundschaft. Nun hieß es Abschied nehmen und der Max musste wieder zur Erde zurück. Die Sterneneltern aber sagten: „ Mäxchen, wir haben hier einen Sternenwagen für dich. Setze dich in ihn hinein, dann brauchst du den langen, beschwerlichen Weg nicht zu Fuß gehen. Er wird dich sicher den Regenbogen
hinunter fahren.“
Das nahm der kleine Max gerne an, verabschiedete sich von allen, setzte sich in den Wagen und hurtig ging es in Richtung Erde.
Dort angekommen, eilte er nach Hause zu seiner Mutter und seinen Geschwistern. Er erzählte von dem Regenbogen, von Frau Wolke, dem Wind, der Sonne, dem Mond und dass Sternchen wohlerhalten zu seiner Familie zurückkehren konnte. Alle waren froh, dass der Max wieder daheim war.
Als Mäxchen in seinem Bett lag, sah er zum Fenster und sah den Mond am Himmel stehen. „Guten Abend, Herr Mond,“ sagte Max und schlief lächelnd ein.
Am nächsten Morgen stand ein großer Sack neben seinem Bett, der über und über mit silbernen Münzen gefüllt war. Der Mond hatte sein Versprechen wahr gemacht.
Wie freute sich da der kleine Max, brauchte seine Mutter nun nicht mehr so viel arbeiten und es war genug Silber da für reichlich Brot und Leckereien.
Als die Sonne aufging, rief Mäxchen: „Guten Morgen, liebe Sonne.“ Die Sonne schickte einen Sonnenstrahl herunter und stellte einen noch größeren Sack, voll mit Goldtalern, vor Mäxchens Haustür. Nun hatte alle Not ein Ende.
„Danke lieber Mond, und danke liebe Sonne“, rief der kleine Max und vom Himmel ertönten zwei ihm vertraute Stimmen: „Versprochen ist versprochen!“
Und jede Nacht, wenn der kleine Max zum Himmel hinauf schaute, sah er ein helles Licht, das über sein Haus hin und her tanzte und da wusste Mäxchen, dass es sein kleiner Freund, Sternchen war.




Ende

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